Welche Kunstrichtungen Sammler heute wirklich jagen

Wenn Sie sich fragen, welche Kunstrichtungen bei Sammlern gerade hoch im Kurs stehen, sind Sie nicht allein. Der Markt hat sich in den letzten Jahren ziemlich verschoben, und einige Strömungen, die früher als Nische galten, sind plötzlich überall. Andere, die jahrzehntelang den Markt dominiert haben, verlieren langsam an Boden. Ich versuche hier, einen ehrlichen Überblick zu geben, ohne den üblichen Marketing-Sprech der Auktionshäuser.
Was auffällt : die jüngere Generation an Sammlern kauft anders. Weniger alte Meister, mehr Zeitgenössisches, mehr Fotografie, und vor allem mehr Werke von Künstlerinnen, die lange übersehen wurden. Wer tiefer einsteigen will, findet auf https://galerie-art-et-collection.com einige interessante Beispiele dieser Verschiebung. Aber gehen wir der Reihe nach durch.

Die zeitgenössische Kunst, klarer Spitzenreiter

Ehrlich gesagt, das ist heute der Markt. Die zeitgenössische Kunst, also grob alles ab den 1970er Jahren, macht inzwischen den größten Anteil der weltweiten Auktionsumsätze aus. Christie’s und Sotheby’s haben ihre Abendauktionen längst danach ausgerichtet.
Warum diese Begeisterung ? Mehrere Gründe, glaube ich. Erstens, die Werke sprechen die Sprache der heutigen Käufer. Zweitens, die Spekulation ist verlockend, manche Künstler verzehnfachen ihren Wert in fünf Jahren. Drittens, es gibt schlicht mehr Material auf dem Markt als bei alten Meistern.
Namen, die gerade besonders gefragt sind :

  • Yoshitomo Nara, der japanische Maler mit den großäugigen Kinderfiguren, dessen Preise teilweise explodiert sind
  • Cecily Brown, deren halbabstrakte Leinwände regelmäßig Rekorde brechen
  • Mark Bradford, dessen großformatige Collagen bei US-Sammlern sehr begehrt sind
  • Jonas Wood, ein Kalifornier, der quasi unverkäuflich… nee, andersrum, dessen Werke fast nie auf dem Markt bleiben

Vorsicht trotzdem. Was heute glüht, kann morgen kalt werden. Das haben einige Sammler bei der „Zombie-Formalismus“-Welle um 2014 schmerzhaft gelernt.

Street Art und urbane Kunst, kein Trend mehr, eine Kategorie

Man kann Banksy mögen oder nicht, aber sein Einfluss auf den Markt ist nicht zu leugnen. Street Art ist endgültig in den Auktionssälen angekommen. Banksys Love is in the Bin, das berühmte selbstzerstörende Werk, wurde 2021 für umgerechnet rund 21 Millionen Euro versteigert. Das war kein Witz mehr.
Aber Banksy ist nicht alles. KAWS, Invader, Shepard Fairey und in jüngerer Zeit auch JR ziehen eine neue Generation an Sammlern an, oft jünger, oft aus dem Tech-Bereich. Was ich daran interessant finde : viele dieser Käufer haben vorher nie eine Galerie betreten.
Frage an Sie : würden Sie ein Werk kaufen, das ursprünglich an einer Hauswand entstanden ist ? Die Antwort der Sammler ist mittlerweile ein klares Ja.

Die Wiederentdeckung der Künstlerinnen

Das ist vielleicht die spannendste Bewegung des letzten Jahrzehnts. Künstlerinnen, die zu Lebzeiten kaum Beachtung fanden, werden plötzlich neu bewertet. Und ich meine wirklich neu bewertet, mit Preisen, die manchmal das Hundertfache dessen erreichen, was vor zehn Jahren möglich war.
Einige Beispiele die mich persönlich überrascht haben :

  • Hilma af Klint, die schwedische Pionierin der abstrakten Malerei, die lange im Schatten von Kandinsky stand
  • Etel Adnan, die libanesisch-amerikanische Malerin, deren kleinformatige Landschaften heißbegehrt sind
  • Joan Mitchell, deren Werke regelmäßig zweistellige Millionenbeträge erzielen
  • Lee Krasner, lange als „Pollocks Frau“ abgestempelt, jetzt eigenständig gehandelt

Ist das nur ein Modetrend ? Ich glaube nicht. Es ist eher eine Korrektur, die überfällig war. Und Museen ziehen mit, was die Preise zusätzlich stützt.

Fotografie, der unterschätzte Markt

Lange Zeit galt Fotografie als Sammlersegment für Spezialisten. Das ändert sich gerade. Auflagenstarke Drucke namhafter Fotografen sind nach wie vor erschwinglich, und das zieht neue Käufer an.
Andreas Gursky, Cindy Sherman, Wolfgang Tillmans, oder die jüngere Tyler Mitchell, das sind Namen, deren Werke heute in jeder ernstzunehmenden Sammlung auftauchen. Gurskys Rhein II wurde 2011 für 4,3 Millionen Dollar verkauft, was damals ein absoluter Rekord für eine Fotografie war.
Was zieht die Käufer an ? Vielleicht die Tatsache, dass man für ein paar tausend Euro schon richtig gute Stücke bekommt, was bei Malerei kaum noch geht.

Afrikanische und afro-diasporische zeitgenössische Kunst

Das ist eines der dynamischsten Segmente überhaupt. Amoako Boafo aus Ghana, Njideka Akunyili Crosby, Kehinde Wiley, der das offizielle Porträt von Barack Obama gemalt hat, oder Toyin Ojih Odutola, ihre Preise sind in fünf Jahren teilweise um das Zehnfache gestiegen.
Galerien wie die Mariane Ibrahim oder Stevenson haben da Pionierarbeit geleistet. Und die großen Museen ziehen nach, was den Markt zusätzlich stabilisiert. Ich finde, das ist eine der ehrlichsten Entwicklungen, weil sie eine echte Bildlücke schließt.

Was mit dem klassischen Impressionismus passiert

Hier wird es interessant. Der Impressionismus, einst der König des Auktionsmarktes, verliert relativ an Bedeutung. Nicht absolut, Monet, Renoir und Co. erzielen weiterhin Spitzenpreise, aber ihr Anteil am Gesamtmarkt schrumpft.
Warum ? Die Generation, die diese Werke gekauft hat, gibt sie nach und nach ab, und die jüngeren Käufer interessieren sich für anderes. Ein Monet im Wohnzimmer wirkt für einen 40-jährigen Tech-Unternehmer heute oft weniger spannend als ein KAWS oder ein George Condo.
Heißt das, man sollte keine Impressionisten mehr sammeln ? Nein, eher im Gegenteil. Wenn der Markt sich beruhigt, ergeben sich vielleicht wieder bessere Einstiegspreise für hochwertige Werke.

Digitale Kunst und NFTs, die offene Frage

Ich zögere, das überhaupt zu erwähnen, weil der Markt extrem volatil ist. Der Hype von 2021 ist weitgehend verflogen, die Preise vieler NFT-Sammlungen sind eingebrochen. Aber komplett tot ist das Segment nicht.
Künstler wie Beeple, Refik Anadol oder Tyler Hobbs mit seinen generativen Werken haben einen festen Platz in einigen Sammlungen gefunden. Ob das langfristig hält, weiß ehrlich gesagt niemand. Wer einsteigt, sollte es als Spekulation betrachten, nicht als sichere Anlage.

Worauf Sie achten sollten, bevor Sie kaufen

Ein paar nüchterne Punkte zum Schluss, weil Marktrends das eine sind, kluges Sammeln das andere :

  • Kaufen Sie zuerst, weil das Werk Sie berührt, dann erst aus Investitionsgründen
  • Prüfen Sie die Provenienz, also die Herkunftsgeschichte des Werks, das ist heute wichtiger denn je
  • Achten Sie auf die Galerienanbindung des Künstlers, eine schwache Galerie bedeutet oft einen instabilen Markt
  • Vergleichen Sie Auktionsergebnisse über mehrere Jahre, ein einzelner Rekord sagt wenig
  • Bei zeitgenössischen Künstlern : vorsicht bei zu schnellen Preissteigerungen, das kann genauso schnell wieder zusammenbrechen

Eine letzte Sache, die viele Anfänger übersehen : die Lagerung und Versicherung. Ein Werk für 30.000 Euro zu kaufen und dann an einer feuchten Wand hängen zu lassen, ist eine teure Dummheit. Klima, Licht, Rahmen, das gehört alles dazu. Und wenn Sie ernsthaft sammeln wollen, lohnt sich der Kontakt zu einem unabhängigen Berater mehr als jeder Auktionskatalog.

Warum jetzt mit dem Sammeln anfangen?

Eine Kunstsammlung aufzubauen klingt erstmal nach etwas, das nur Leute mit einem Loft in Berlin-Mitte und einem Banker-Gehalt machen. Stimmt aber nicht. Der zeitgenössische Kunstmarkt hat sich in den letzten zehn Jahren krass verändert, und heute kann man durchaus mit 200 bis 800 Euro pro Werk eine richtig schöne Sammlung starten. Klar, ein Original von Banksy bleibt unerreichbar. Aber darum geht es hier auch nicht.

Was hier folgt, ist eine Auswahl von acht zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, deren Arbeiten man tatsächlich kaufen kann, ohne sein Erspartes komplett aufzulösen. Druckgrafiken, kleinformatige Originale, signierte Editionen – alles dabei. Und ehrlich gesagt, bevor man ein Werk an die Wand hängt, lohnt es sich auch, kurz über den Rahmen und den Hängeort nachzudenken, ein paar gute Ideen dazu gibt es zum Beispiel auf https://decoramaison.com. Eine gut gehängte Arbeit für 300 Euro wirkt nämlich oft besser als ein teures Stück, das im Flur verloren geht.

Was heißt eigentlich „zugänglich“?

Bevor wir loslegen, kurze Klärung. Zugänglich heißt hier zwei Sachen. Erstens : bezahlbar. Wir reden von Werken zwischen 100 und etwa 1500 Euro, je nach Format und Auflage. Zweitens : verständlich. Keine Arbeiten, vor denen man sich dumm fühlt, wenn man keinen Kunstgeschichte-Master hat. Aber trotzdem mit echter Substanz.

Wer übrigens denkt, dass nur Originale „richtig“ sind – falsch. Eine signierte und nummerierte Lithografie oder ein Siebdruck in kleiner Auflage ist ein vollwertiges Sammlerstück. Picasso hat sein Leben lang Druckgrafiken gemacht. Also.

1. David Shrigley

Der britische Künstler ist wahrscheinlich der einfachste Einstieg überhaupt. Seine Zeichnungen sehen aus, als hätte sie ein etwas zorniges Kind gemacht – kurze Sätze, schiefe Linien, dunkler Humor. Funktioniert sofort.

Seine signierten Drucke und Editionen findet man regelmäßig bei Galerien wie Stephen Friedman in London oder über sein Studio direkt, oft zwischen 200 und 800 Euro. Was ich an ihm mag : er ist tief in der zeitgenössischen Kunstszene verankert (Turner-Prize-Nominierung 2013), aber seine Arbeiten sind nie elitär. Man hängt das auf, und Gäste lachen oder runzeln die Stirn. Beides gut.

2. Camille Walala

Wenn man Farbe mag, ist Walala unschlagbar. Die in London lebende französische Designerin und Künstlerin macht großformatige Wandmalereien, aber auch limitierte Drucke und Editionen mit ihren typischen geometrischen Mustern in Pink, Gelb, Blau, Schwarz.

Ihre Editionen über Plattformen wie Avant Arte oder direkt über ihr Studio gehen meist zwischen 150 und 600 Euro weg. Perfekt für ein Wohnzimmer, das ein bisschen Tempo braucht. Achtung: das funktioniert nicht in jedem Interieur. In einem weißen, minimalistischen Raum – top. In einem Altbau mit Stuck und dunklem Parkett – schwieriger.

3. Jenny Holzer

Hier wird es etwas ernsthafter. Holzer arbeitet seit den 70ern mit Sprache, ihre berühmten „Truisms“ – kurze Sätze wie „Abuse of power comes as no surprise“ – sind echte Meilensteine der konzeptuellen Kunst.

Für Originale auf LED oder Stein muss man richtig tief in die Tasche greifen. Aber ihre Drucke, Plakate und kleinere Editionen gibt es ab etwa 300 Euro. Wer einen Satz an der Wand will, der nicht jeden Tag den gleichen wirkt – sie ist die richtige Adresse. Frage an euch : sucht ihr eher etwas Dekoratives, oder etwas, das jeden Morgen zum Nachdenken zwingt ?

4. Yinka Shonibare

Der britisch-nigerianische Künstler ist bekannt für seine Skulpturen mit batik-ähnlichen Stoffen, die Kolonialgeschichte und Identität thematisieren. Originalskulpturen – vergesst es, zu teuer. Aber seine Editionen, Drucke und kleineren Arbeiten auf Papier sind durchaus erreichbar, etwa zwischen 500 und 1500 Euro über seriöse Galerien.

Was ihn besonders macht : seine Werke wirken dekorativ, fast verspielt, sind aber inhaltlich extrem dicht. Man kauft also nicht nur ein hübsches Bild, sondern auch ein Gesprächsthema.

5. Hayv Kahraman

Die irakisch-amerikanische Malerin ist in den letzten Jahren stark im Kommen – was bedeutet, dass die Preise tendenziell steigen, aber noch erreichbar sind. Ihre Figuren – meist Frauen – schauen einen direkt an, mit einer Mischung aus Strenge und Zartheit, die schwer zu beschreiben ist.

Originale auf Leinen sind mittlerweile sehr gefragt, aber ihre limitierten Drucke liegen oft noch zwischen 600 und 1200 Euro. Für jemanden, der figurative Malerei mag und nicht nur Abstraktes, ein starker Kandidat.

6. Stik

Stik ist Street-Artist aus London, bekannt für seine minimalistischen Strichfiguren. Klingt simpel, ist es auch, aber genau das ist die Stärke. Seine Figuren transportieren Emotion mit wirklich wenig. Seine signierten Drucke sind ein Klassiker für Einsteiger, oft zwischen 400 und 900 Euro auf dem Sekundärmarkt. Vorsicht aber – Stik wird viel gefälscht. Immer über etablierte Auktionshäuser oder seriöse Galerien kaufen, niemals über zwielichtige Online-Shops. Das ist die Regel überhaupt beim Druckgrafik-Sammeln, eigentlich.

7. Tracey Emin

Ja, ich weiß, Emin ist nicht gerade ein unbekannter Name. Aber ihre Editionen sind tatsächlich noch im erschwinglichen Bereich, vor allem ihre Lithografien und Stickereien in Auflage. Zwischen 400 und 1500 Euro findet man durchaus etwas Signiertes. Ihre handgeschriebenen Sätze auf Papier oder ihre kleinen Zeichnungen haben diese rohe, persönliche Qualität, die schwer zu fälschen ist (im übertragenen Sinne). Wer etwas Intimes an die Wand hängen will – sie ist die richtige Wahl. Nicht für jeden Geschmack, aber das ist ja gerade der Punkt einer Sammlung.

8. Eduardo Terrazas

Der mexikanische Künstler und Designer, geboren 1936, ist weniger bekannt als die anderen auf dieser Liste, was preislich noch ein Vorteil ist. Seine Arbeiten – geometrische Kompositionen, oft aus Wolle auf Holz oder als Drucke – sind visuell stark und haben eine ruhige, fast meditative Qualität. Seine Editionen liegen oft zwischen 300 und 800 Euro. Perfekt für jemanden, der etwas sucht, das nicht in jeder zweiten Wohnung auf Instagram hängt.

 

Wo kauft man das eigentlich ?

Drei Adressen, die seriös sind und für Einsteiger funktionieren :

  • Avant Arte – Plattform für limitierte Editionen, gute Auswahl an zeitgenössischen Namen, transparente Preise
  • Artsy – eher Galerien-orientiert, breites Spektrum, gute Suchfunktion nach Preis
  • Galerien direkt – am besten, wenn man einen Namen kennt : Website checken, fragen, ob Editionen verfügbar sind

 

Wovon ich abrate : anonyme Online-Marktplätze ohne Provenienznachweis. Bei Druckgrafiken ist die Provenienz alles. Wer das Zertifikat nicht zeigen kann, hat wahrscheinlich auch keins.

Ein letzter Hinweis

Eine Sammlung ist kein Wettbewerb. Kauft nur, was euch wirklich gefällt, nicht was angeblich an Wert gewinnen wird. Niemand weiß, welche Namen in zwanzig Jahren noch zählen. Aber wenn ein Werk euch jeden Morgen beim Kaffee freut, dann war es den Preis wert – egal, was der Markt später sagt.